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„Dass Frauen nicht Grillen können, ist ein Vorurteil!“

Michael Hoffmann lässt nichts anbrennen, denn er ist amtierender Grill- und BBQ-König 2013. Im Interview hat er uns verraten, dass Frauen kreativer grillen als Männer, warum der Kugelgrill seine Universal-Waffe ist und mit welchen Grill-Spezialitäten man seine Gäste überraschen kann.

 

 

Hallo – ähm – wie sprechen wir den Grill-König an, mit Majestät?

(lacht) Eure Hoheit klingt gut, aber Michael ist auch okay.

 

Du bist ja Feuer und Flamme fürs Grillen. Warum?

Ich mag alles am Grillen: Das gute Essen, das Gesellige und die Gespräche unter freiem Himmel, die sich automatisch ergeben, wenn man in einer Runde zusammen sitzt. Bei uns wird deshalb das ganze Jahr gegrillt. Wir grillen an Silvester das letzte und an Neujahr das erste Mal.

 

Du bist amtierender Grill- und BBQ-König 2013. Wann hast Du angefangen, so professionell zu grillen?

Meine Frau Anke und ich haben 2003 aus dem Fernsehen von einer Grill-Meisterschaft erfahren und spontan beschlossen: Da fahren wir hin, haben Spaß und werden nicht Letzter (lacht). Mit zwei alten Grills und unserem Freund Dirk sind wir angerückt und haben gleich den 1. Platz gemacht. Da hat uns der „Bazillus Grillus“ infiziert.

 

Täuscht der Eindruck oder ist Grillen die letzte Männerdomäne?

Der Klassiker sieht so aus: Der Mann steht am Grill mit einer Flasche Bier in der Hand, während die Frau in der Küche den Salat macht. Dass Frauen nicht Grillen können, halte ich für ein Vorurteil! Wenn Mann sie an den Grill lässt, sind sie sogar kreativer. Unsere zwei Frauen im Team bevorzugen einen Gas-Grill, weil er bequemer zu handhaben ist. Männer wollen Feuer, Funken und Asche – muss wohl in den Genen liegen.

 

Was empfiehlst du zum Grillen: Schwenk- oder Kugelgrill?

Der Holzkohlegrill ist der Klassiker, den kriegt man nicht weg! Der Kugelgrill ist meine persönliche Universal-Waffe!

 

Was kann der Kugel-Grill, was andere nicht können?

Im Kugelgrill lässt es sich sehr gesund grillen! Da hier die Kohle nicht unter dem Grillgut ist, sondern links und rechts davon, tropft nichts in die Glut, was krebserregende Stoffe verursacht. Denn wenn Saft, Fett oder Marinade auf die Glut tropft und Rauch aufsteigt, sind darin gefährliche Stoffe, die beim Essen oder auch beim Atmen in den Körper gelangen. Davor warnen Ernährungswissenschaftler.

Außerdem lässt sich durch die Lüftung die Temperatur regulieren. Schließt man den Deckel, erzielt man einen Effekt wie bei der Umluft im Herd, dadurch muss man einen Fisch nicht wenden, und er zerfällt nicht.

 

Verwendest Du Holzkohle oder Briketts?

Holzkohle ist schneller angezündet, hält aber die Temperatur nicht so lange. Briketts brauchen länger bis sie durchgeglüht sind, können aber die Hitze besser und länger halten. Ich mische Holzkohle und Holzkohlebriketts und beginne erst mit dem Grillen, wenn die Holzkohle eine dünne weiße Ascheschicht gebildet hat.

 

Welche Vorteile hat der Gas-Grill?

Fürs Spontangrillen ist der Gas-Grill echt super, denn innerhalb von fünf Minuten kann’s losgehen. Da es keine Rauchentwicklung gibt, kann man ihn ohne Bedenken auf dem Balkon in Mehrfamilienhäusern nutzen. Außerdem lässt er sich gut reinigen.

 

Aber es schmeckt doch nicht so gut …

Quatsch, das stimmt nicht! Nicht die Holzkohle sorgt für den typischen Geschmack beim Grillen, sondern durch hohe Temperaturen bilden sich die Röstaromen die für den grilltypischen Geschmack sorgen.

 

Gibt’s auch Nachteile beim Gas-Grill?

Ja, oft ist die Gasflasche ausgerechnet dann leer, wenn man sie braucht. Am besten hat man eine zweite Flasche in petto! Und keinen Gas-Grill mit Lavastein nehmen.

 

Und was ist mit einem Elektro-Grill?

Elektro und Grill geht nicht in einem Wort! Mit der Leistung eines Elektro-Grills erreicht man in der Regel nicht die hohen Temperaturen, die nötig sind, um den typischen Geschmack zu erzielen.

 

Wie stellt man fest, ob die Temperatur zum Grillen richtig ist?

Die Hand auf der Höhe des Grillrosts über den Grill halten und zählen: 21, 22, 23. Muss man die Hand vorher wegziehen, ist der Grill zu heiß! Hält man es länger aus, ist die Temperatur nicht hoch genug.

 

Welche Regeln sollte man beim Grillen noch beachten?

–       Den Grillrost vorher mit etwas Speiseöl einpinseln. Das verhindert das Anpappen des Grillguts. Und der Rost lässt sich nachher einfacher reinigen.

–       Das Grillgut zwei Stunden vor dem Grillen aus dem Kühlschrank nehmen! Ist es zu kalt, verbrennt es außen und ist innen noch nicht gar.

–       Grillwurst sollte im Naturdarm sein!

–       Die Würstchen vor dem Grillen mit einer Gabel einstechen. Dies verhindert, dass die Wurst unschön aufplatzt.

–       Nach dem Grillen den Rost in nasses Zeitungspapier wickeln und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag lässt es sich dann einfacher reinigen.

 

Gibt es eine Marinade, die man ruckzuck selber machen kann, wenn’s schnell gehen muss?

Einfach Ketchup nehmen, mit Cayenne-Pfeffer oder Chilipulver etwas Schärfe geben, Pfeffer, Salz, ein Schuss Essig und ein bisschen Zucker verrühren und damit das Fleisch eine Stunde marinieren.

 

Ist es in Ordnung, wenn man mit Bier ablöscht?

Nein! Das Bier wirbelt die Asche auf und diese klebt dann am Fleisch. Besser überschüssige Marinade vor dem Grillen mit Küchenkrepp abtupfen. Wenn man einen Biergeschmack am Fleisch haben möchte, legt man es über Nacht in dunklen Bier ein, zum Beispiel Köstritzer.

 

Welche Todsünden gibt es noch beim Grillen? 

– Das Schlimmste, das man machen kann: Spiritus oder Benzin zum Anzünden verwenden! Jedes Jahr gibt es 400 Brand-Opfer, darunter Kinder (http://www.paulinchen.de/), die vermeidbar gewesen wären. Mein Tipp: Anzündkamin kaufen! Der ist nicht nur sauber, sondern auch sicher.

– Das Fleisch nicht vor dem Grillen salzen, sondern erst nach dem Grillen – es trocknet sonst schnell aus.

– Bloß keine Riesengabel mit drei Zacken verwenden, die es bei jedem Grill-Bestecken gibt. Damit läuft der Saft aus dem Fleisch und es wird trocken! Deshalb zum Wenden immer eine Grillzange oder Grillschere verwenden.

 

Welche Grill-Leckerei kannst Du uns als Grill-König empfehlen?

Spieße in allen Variationen, das ist eine kreative Sache, weil sich jeder seine Spieße selbst zusammenstellen kann, je nach Lust und Laune und Geschmack. Dazu schneidet man einfach alle Zutaten – ob Fleisch, Würstchen, Geflügel, Fisch, Gemüse und Obst – in  mundgerechte Stücke und jeder macht seinen eigenen Spieß. Putenfleisch mit Ananas und dazwischen Zwiebelstücke sind eine echte Alternative. Und auch für Kinder sind Spieße toll und nebenbei gesund, wenn sie Würstchenstücke mit Paprika kombinieren.

 

Mmmmh, das klingt köstlich. Und was ist der Grill-Knaller 2013?

Dessert vom Grill, damit überrascht man seine Gäste auf jeden Fall! Gegrillte Ananasscheiben sind sehr lecker, die man mit ein bisschen braunem Zucker bestreut, und, wer’s mag, auch etwas Cognac. Für Kinder und andere Schleckmäuler sind Bananen super. Die lässt man in der Schale, halbiert sie, legt Schokoladenstückchen drauf und grillt sie auf dem Rost bis die Schale braun ist. Dann kann man den Nachtisch herauslöffeln. Super einfach, super lecker.

 

So, jetzt hast Du uns den Mund wässrig gemacht – wir haben Hunger. Danke für das Gespräch und die Tipps! Wir werden sie gleich ausprobieren.

 

Noch mehr Rezepte vom Grill-König und seinem Team GutGlut findet man auf www.fire-food.com und noch mehr Infos auf www.gutglut.de