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Im Winterurlaub könne Erwachsene wieder zum Kind werden!

Mit drei Jahren stand Andreas König zum ersten Mal auf Skiern, mit 15 war er  Leistungssportler, später Skilehrer. Heute ist der 41-Jährige seit zehn Jahren Sicherheitsexperte beim Deutschen Skiverband und kümmert sich um die Belange von Freizeitskifahrer. Worauf Eltern achten sollten, wenn sie mit Kind in den Schnee fahren, woran sie eine gute Skischule erkennen und welche Aktivitäten Spaß machen auch ohne Ski, das und mehr hat er uns im Interview verraten.

 

Hallo Herr König, Sie standen mit drei Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Ist das ein gutes Einstiegsalter?  
Da ich aus einer Skifahrerfamilie komme, habe ich früh begonnen – in der Regel sind Kinder zwischen drei und fünf Jahre alt. Das kommt auf die körperliche Fitness des Kindes an, wie bewegungsaktiv es ist und ob es Spaß am Skifahren hat. Ohne Begeisterung ist es schwierig Kindern etwas beizubringen.

Lernen Kinder Skifahren anders als Erwachsene?
Ja, Kinder erlernen nicht die Technik, sondern die Bewegungsabläufe anhand von Geschichten. Da werden die Skier, wenn sie parallel nebeneinander stehen sollen,  zu Pommes und zur Pizza oder Kuchenstück, wenn sie zum Bremsen vorne zusammen und hinten auseinander gestellt werden müssen. Unter Pizza und Pommes kann sich jedes Kind etwas vorstellen. Und wenn es seinen Eltern erzählt, dass es heute Pizza und Pommes in der Skischule gab, hat der Skilehrer alles richtig gemacht.

Bei einer guten Skischule steht Spiel und Spaß im Vordergrund?
Genau, eine gute Skischule ist eine Erlebniswelt für Kinder! Da wird dann eine Frisbeescheibe zum Lenkrad, es werden bunte Hütchen aufgestellt, um die man herumfährt und unterschiedliche Geländeformen ausprobiert. Je mehr Spaß das Kind hat, desto leichter lernt es Skifahren. Ein guter Skilehrer arbeitet spielerisch, sodass das Kind Spaß hat und ganz nebenbei Skifahren lernt.

Sollten Kinder einen Skikurs besuchen oder können sie es auch von ihren Eltern lernen?
Ein Kurs ist vollkommen richtig – mit Gleichaltrigen in einer neuen Umgebung mit  einem geschulten Skilehrer, dem Kinder mehr glauben, wenn’s um Skifahren geht, als Mama und Papa. Bei ihren Eltern können Kinder auch leichter quengeln, wenn es anstrengend wird. Mein Tipp an die Eltern: Kind bei der Skischule abgeben und bloß nicht dableiben, um es zu beobachten, dann lernt das Kind nichts!

Worauf sollten sich Eltern einstellen, wenn sie mit Kind Skiurlaub machen?
Wer mit Kind in den Skiurlaub fährt, kann nicht fünf Tage am Stück Skifahren. Das würde Kinder überfordern! Die Sequenzen müssen kurz sein, maximal zwei Stunden am Tag und lieber in Abschnitten und mit spielerischen Elementen, sonst wird’s Kindern schnell langweilig.

Auf was sollten Eltern noch achten?  
Ich stelle oft fest, dass die Kinder zu warm und zu dick angezogen sind, dass sie sich kaum oder nur schlecht bewegen können und sich fast zu Tode schwitzen! Man sollte seinem Kind nicht mehr und nicht weniger anziehen als man sich selbst.

Was gehört unbedingt mit in eine gute Ausrüstung?
Einen Helm haben alle Kinder, aber nur wenige besitzen eine Skibrille, dabei ist der UV-Schutz für Kinderaugen wichtig. Da wird am falschen Ende gespart! Wechselklamotten, insbesondere ein zweites Paar Handschuhe sowie Sonnencreme gehören auch mit in eine Ausrüstung.

Woran erkennt man, ob die Leihskier in Ordnung sind?
Man muss sich das Material ansehen und auch ein Laie erkennt, ob die Kanten der Skier scharf sind oder stumpf oder gar rostig. Der Belag sollte einen gepflegten Eindruck machen, keine Kratzer haben – mit so einer alten Gurke wird das Skifahren zum Kraftakt! Auch ganz wichtig: Die Bindungseinstellung. Sie muss individuell eingestellt und auf Statue, Größe und Gewicht abgestimmt werden, damit sie aufgeht, wenn man stürzen sollte. Eine bestehende Skiausrüstung, die vorher von jemand anderen benutzt wurde, sollte man darum vor Gebrauch vom Sportfachhandel checken lassen.

Wie beugt man Verletzungen vor?
Skifahren ist eine Ganzjahressportart. Sich zwei Tage vor dem Skiurlaub körperlich zu betätigen, bringt nichts. Um fit zu sein, sollte jeder Skifahrer konditionell durch Joggen oder Fahrradfahren vorbereitet sein und ein fittes Herz-Kreislaufsystem haben. Aufwärmen wäre vor dem Skifahren super, auch wenn es blöd aussieht. Und je nachdem, aus welcher Gegend man kommt, muss sich der Körper in den Bergen aklimatisieren, also nicht gleich in einem Zug vom Gipfel bis ins Tal fahren, sondern in Etappen.

Welche Pistenregeln gilt es zu beachten?
Es gibt zehn sogenannte FIS Regeln, die das Verhalten auf den Pisten regelt und weltweit gelten. Dabei handelt es sich um Verhaltensregeln wie Rücksichtnahme auf andere, dass sich jeder so verhält, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. Hier heißt es Vorsicht, und Rücksicht nehmen auf andere und Mitfahrer.

Und was können Familien im Schnee erleben ohne Ski?  
Schlittenfahren ist ganz weit vorn! Und Schlittschuhlaufen ist genauso toll wie eine Fahrt in der Pferdekutsche oder mit dem Hundeschlitten. Als Erwachsener muss man im Winterurlaub wieder Kind werden und das Medium Schnee mit allen Sinnen und all seinen Facetten erleben: Herumtollen, Fußspuren machen, sich einen Hang hinunterkullern, einen Eiszapfen lutschen und mit seinem Kind mal einen Schneemann bauen und merken, dass Schnee fluffig und weich ist, aber durchaus auch fest und hart werden kann – der Winterurlaub eignet sich bestens dafür, seine Umwelt mit offenen Augen wahrzunehmen.